Die Zeit der Reformation
Die Reformation - Blütezeit der Wissenschaft, Kunst und Kultur

In der Mitte des 16. Jahrhunderts hatte Torgau ca. 6000 Einwohner und gehörte zu den größten Städten Sachsens. In dieser Zeit weilten namhafte Künstler und Gelehrte in der Stadt. Dazu gehörte auch der Reformator Martin Luther.
 
Torgau gilt als Amme der Reformation. Der Reformator Martin Luther weilte nachweisbar über vierzigmal in Torgau. Im Pfarrhaus des ersten Superintendenten wurden 1527 unter Luthers Leitung die Grundzüge der protestantischen Visitationsordnung entworfen. Und 1530 verfassten hier Luther, Melanchthon, Jonas und Bugenhagen die Torgauer Artikel, die dann im zweiten Teil des von Melanchthon formulierten Augsburgischen Bekenntnisses verarbeitet wurden.
Am Gebäude der Superintendantur in der Wintergrüne 2 gegenüber der Marienkirche verrät eine Tafel, dass von diesem Haus entscheidende kirchengeschichtliche Impulse ausgingen, die Torgau zur wichtigsten Lutherstätte in Sachsen machten. Der Bau der Kirche im Schloss Hartenfels ist ein bedeutendes Zeugnis des Wirkens von Martin Luther in Torgau. 
 
Hier wurde das geistige Programm der Reformation erstmals anschaulich in Architektur und Kunst umgesetzt. Die betonte Schlichtheit des Gotteshauses entsprach ganz dem Willen Luthers, denn nach seinen Angaben schuf der Baumeister Nickel Gromann diesen zweckvollen Sakralbau, der als früheste Leistung des evangelischen Kirchenbaus gilt. Martin Luther weihte die Schlosskirche am 5.10.1544 ein.
 
Katharina von BoraSo außergewöhnlich wie der Reformator war auch die Frau an seiner Seite, Katharina von Bora. 1499 als Tochter eines verarmten Adligen in Lippendorf, südlich von Leipzig geboren, kam sie bereits mit zehn Jahren in das Kloster Nimbschen. Unter dem Einfluss der Reformation floh sie in der Osternacht 1523 mit anderen Nonnen über Torgau nach Wittenberg und heiratete dort 1525 Martin Luther. Dem Ehepaar wurden sechs Kinder geboren, von denen vier das Erwachsenenalter erreichten.
Die "berühmteste Pfarrfrau der Welt" führte nicht nur einen großen Haushalt, Katharina erwies sich als sehr fleißig, sehr sparsam, nicht anspruchsvoll, umsichtig und energisch. Aber Katharina hatte nicht nur für ihre Kinder und ihren Mann zu sorgen. Im Laufe der Zeit füllte sich ihr Haus auch mit Verwandten, die von ihr verpflegt werden wollten. Sie war ihrem Mann auch unentbehrliche Gefährtin und Beraterin. So nannte sie Martin Luther schließlich auch respektvoll "Herr Käthe", da sie doch letztendlich wirklich der Herr im Haus war.  Als Martin Luther 1546  gestorben war, ließ er seine Katharina fast mit leeren Händen zurück. Durch ihr zähes Naturell meisterte sie auch diese schwierige Zeit. 1552 brach in Wittenberg die Pest aus.  
Sie flüchtete mit den Kindern Paul und Margarethe nach Torgau. Dabei stürzte ihr Wagen um. Obwohl die Verletzungen Katharinas nicht lebensgefährlich waren, starb sie drei Monate später, am 20.12.1552, an einer Lungenentzündung in Torgau. Beigesetzt wird sie in der torgauer Stadtkriche, in der noch heute eine Grabplatte an sie erinnert. In der Katharinenstraße 11, dem Haus, in dem sie damals Zuflucht suchte, zeigt heute eine einzigartige Ausstellung seltene zeitgenössische Erstdrucke und Münzen, Gegenstände der Alltagskultur sowie Zeugnisse künstlerischer Auseinandersetzung mit jener Frau, über die heute so viel wie nie zuvor gesprochen wird. 
 
 Johann Walter, geboren 1496 in Kahla bei Jena, war zunächst Bassist in der Torgauer Schloßkantorei. 1524 gab er in Wittenberg erstmals sein Werk das "Geystliche gesangk Buchleyn" heraus. Der enge Freund Martin Luthers und dessen musikalischer Berater wirkte 1525 maßgeblich bei der Gestaltung der "Deutschen Messe" mit. Von 1526 bis 1548 leitete Johann Walter die Torgauer Stadtkantorei, lehrte an der hiesigen Lateinschule von 1529 bis 1548 und trug wesentlich zur kulturellen Blüte und Bedeutung der kursächsischen Residenzstadt bei. Als lutherischer "Ur-Kantor" schuf er die Grundlage für die evangelische Kirchenmusik. Seine Werke sind bis in die Gegenwart lebendig. 
1548 in das Amt des Hofkapellmeisters nach Dresden berufen, gründete und leitete Johann Walter die Kurfürstliche Hofkantorei. Nach seiner Pensionierung kehrte er 1554 nach Torgau zurück, wo er 1570 starb. Die von Johann Walter gebildete Torgauer Stadtkantorei wurde zum Ur- und Vorbild des lutherischen Kantoreiwesens. Bis in die fünfziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts gestaltete der auf diese Tradition zurückgehende Schulchor, der älteste evangelische Knabenchor, das kulturelle Leben unserer Stadt.

 
Im April 1532 beauftragte Kurfürst Johann Friedrich der Grossmütige den Baumeister Cuntz Krebs mit der Neugestaltung von Schloss Hartenfels. Die von ihm geschaffene Treppenanlage, der "Wendelstein", gehört zu den wohl schönsten Schöpfungen der deutschen Baukunst.
Der Hofmaler Lucas Cranach d. Ä. schuf in Torgau Altarwerke, mehrere Bildnisse und die Ausmalung des Schlosses Hartenfels. Lucas Cranach ist die gesamte Farbgestaltung des Schlosses und der Schlosskirche zu verdanken. Von ihm stammen auch die Skizzen für die Bildmotive der Kanzel der Schlosskapelle , ebenso die um 1507 für Torgau gemalte Altartafel  "Die vierzehn Nothelfer".
 

Der Raum, in dem sich heute die Gaststube der Bärenschenke befindet, war vor rund 450 Jahren das Behandlungs-, Studier- und Wohnzimmer eines bedeutenden sächsischen Gelehrten: des Arztes, Botanikers, Mineralogen und Ichthylogen - Johannes Kentmann .
Der Arzt und Naturforscher siedelte 1554 von Meißen nach Torgau. Hier nahm er die Stellung des Stadtphysikus ein. Neben seinen medizinischen Pflichten beschäftigte er sich mit der Erforschung und Sammlung der hiesigen Tier- und Pflanzenwelt sowie Gesteinen und Mineralien. Seine Erkenntnisse veröffentlichte er in zahlreichen Publikationen. Diese zum Teil illustrierten Schriften fanden in Gelehrtenkreisen, aber auch bei der kurfürstlichen Familie hohe Anerkennung.
Am 14. Juni 1574 verstarb der allseits geachtete Arzt und Naturforscher und wurde am darauffolgenden Tag in Torgau beerdigt. Seine Grabstelle blieb nicht erhalten, auch kein Stein kündet mehr von ihm. Geblieben ist sein Haus, das heutige Kentmannhaus in der Schloßstraße, sein Wappen und sein wissenschaftliches Werk.

 

Fotos: Stadtarchiv

 



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