Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau

Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau war die einzige geschlossene Heimeinrichtung der DDR. Er nahm am 1. Mai 1964 im ehemaligen Gefängnisgebäude Fischerdörfchen 15 seine Arbeit auf. Die Jugendlichen sollten unter haftähnlichen Bedingungen innerhalb von nur wenigen Monaten zu »sozialistischen Persönlichkeiten« umerzogen werden. Mit seinen hohen Mauern, vergitterten Fenstern und Scheinwerfern glich der Geschlossene Jugendwerkhof als Einrichtung der DDR-Jugendhilfe bereits äußerlich einer Haftanstalt. Bis November 1989 durchliefen insgesamt 4.046 Jugendliche die sogenannte Endstation im Erziehungssystem der DDR.
 
Am historischen Ort des Geschlossenen Jugendwerkhofs befindet sich heute eine bundes- und landesgeförderte Gedenkstätte in Trägerschaft des Vereins Initiativgruppe Geschlossener Jugendwerkhof Torgau. Sie ist bundesweit der einzige Erinnerungsort, der sich mit der Geschichte repressiver Heimerziehung in der DDR auseinandersetzt.
 
Die Dauerausstellung »Ich bin als Mensch geboren und will als Mensch hier raus!« dokumentiert die repressiven Machtstrukturen innerhalb des Bildungs- und Erziehungsapparates der DDR, erinnert an die jugendlichen Opfer der sozialistischen Umerziehungspraxis und thematisiert aktuelle Diskurse zur Heimerziehung.
 
In der Gedenkstätte kann der ehemalige Dunkelzellentrakt mit Fuchsbau besichtigt werden. Zudem werden über Foto- und Informationsstelen im ehemaligen Hof- und Schleusenbereich historische Spuren wieder sichtbar.
 
Die Bildungsangebote der Gedenkstätte umfassen neben thematischen Führungen durch die Ausstellung und das Außengelände auch moderierte Zeitzeugengespräche, Projekttage und Workshops zu verschiedenen Aspekten der DDR-Heimerziehung.
 
Für die ehemaligen DDR-Heimkinder, der jüngsten Opfergruppe des SED-Regimes, ist die Gedenkstätte von Beginn an ein Ort der Begegnung, an dem sie Unterstützung bei der Aufarbeitung ihrer traumatischen Erfahrungen in DDR-Heimen erhalten.
 
Die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau steht heute als Symbol für das gesamte unmenschliche Strafsystem der Jugendwerkhöfe und Spezialkinderheime, das im Laufe der DDR-Geschichte etwa 135 000 Kinder und Jugendliche durchlaufen mussten.
 
 
   Türenraum   Einweisungsraum   Sonderaktenraum        
*Quelle Fotos: Andreas Matthes "Kocmoc.net"
 
 
Weitere Informationen und aktuelle Veranstaltungen finden Sie unter http://www.jugendwerkhof-torgau.de/



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