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Torgau zwischen Kleinstadtrealität & Großstadtaspiration

Universität Leipzig und Stadt Torgau starten ein gemeinsames Projekt

Wie kann sich eine Kleinstadt zukunftsfähig und lebenswert weiterentwickeln? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Stadt Torgau und das Institut für Geographie der Universität Leipzig in einem gemeinsamen Forschungsprojekt. Begleitet wird das Vorhaben von der Regionalmarketingagentur Maikirschen e.K. aus Oschatz. Masterstudierende analysieren im Rahmen eines Projektseminars unter der Leitung von Professorin Dr. Vera Denzer Entwicklungspotenziale der Stadt und bringen bewusst einen Blick von außen ein.

Das Seminar mit dem Titel „Eine Stadt im Umbruch: Torgau zwischen Kleinstadtrealität und Großstadtaspiration“ begleitet die Stadt über den gesamten Sommer. Ziel ist es, gemeinsam mit lokalen Akteurinnen und Akteuren herauszuarbeiten, was Torgau lebenswert macht und wie die Stadt langfristig gestärkt werden kann. Die Stadt positioniert sich dabei als Ort, der Wandel aktiv gestalten will.

Zwischen Herausforderungen und Potenzialen

Zum Auftakt des Projekts führte Oberbürgermeister Henrik Simon die Studierenden durch Torgau und gab Einblicke in aktuelle Themen der Stadtentwicklung. Ausgangspunkt war der Bahnhof, ein wichtiger Knotenpunkt zwischen Stadt und Region. Vor Ort wurden Herausforderungen wie u. a. eine dauerhafte Sicherstellung überregionaler Anbindungen und die Schaffung nutzerfreundlicher Bahnquerungen deutlich. Auch das Thema Leerstand kam zur Sprache und die damit verbundene Problematik der Zwischen- und Nachnutzung von Gebäuden.

Gleichzeitig zeigte der Rundgang, welch großes Potenzial in der Stadt steckt. Grünräume wie die Glacis Anlagen, der Sport- und Spielpark der ehemaligen Landesgartenschau sowie die Elbe als prägender Stadtraum stehen für eine hohe Aufenthaltsqualität und vielfältig nutzbare öffentliche Räume. Die historische Altstadt und das Schloss Hartenfels prägen das Stadtbild und machen die Geschichte Torgaus bis heute sichtbar. 

Ein Besuch im Inklusionsbüro FREIRAUM ergänzte die Eindrücke um soziale Perspektiven und gab Einblicke in das Engagement für eine barrierefreie Stadtgesellschaft. Im Zusammenhang mit der bevorstehenden Inklusionswoche im Mai wurde deutlich, dass Stadtentwicklung auch bedeutet, unterschiedliche Bedürfnisse mitzudenken und verschiedene Formate der Teilhabe zu ermöglichen.

Ein Blick von außen als Chance

Im Anschluss an den Stadtrundgang diskutierten die Studierenden ihre ersten Eindrücke im Rathaus. Für Oberbürgermeister Henrik Simon liegt darin eine zentrale Stärke des Projekts: „Der Blick von außen, gerade von jungen Menschen, ist uns sehr wichtig. Uns interessiert, was passieren muss, damit junge Leute nach Ausbildung oder Studium gerne wieder nach Torgau zurückkehren.“

Die Gespräche würdigten zum einen die Qualitäten Torgaus und adressierten zum anderen Handlungsbedarfe.  Es ging unter anderem darum, wie öffentliche Räume, z.B.  der Marktplatz, noch nutzerfreundlicher gestaltet werden könnten, aber auch um Fragen der Erreichbarkeit und Mobilität. Auch die Bedeutung von bürgerschaftlichem Engagement und kulturellen Angeboten für eine lebenswerte Stadt sowie eine mögliche Steigerung der Außenwahrnehmung wurden thematisiert.

Gemeinsam Zukunft entwickeln

Nach dem ersten Kennenlernen arbeiten die Studierenden nun an konkreten Fragestellungen zur Stadtentwicklung. Eine intensive Arbeitsphase vor Ort ist für die zweite Maihälfte geplant, ergänzt durch Gespräche und Befragungen über den Sommer hinweg. 

Professorin Dr. Vera Denzer betont den offenen Ansatz des Projekts: „Es geht nicht darum, fertige Lösungen zu präsentieren. Vielmehr geht es darum, gemeinsam mit den Torgauerinnen und Torgauern herauszufinden, was die Stadt lebenswert macht, was es für eine gute Zukunft braucht und wofür sich die Bürgerinnen und Bürger engagieren möchten.“

Genau darin liegt der innovative Kern des Vorhabens: Torgau versteht Stadtentwicklung nicht als abgeschlossenen Plan, sondern als gemeinschaftliche Aufgabe. Die Stadt setzt bewusst auf Austausch, neue Perspektiven und Partizipation. 

Alle Interessierten sind herzlich dazu eingeladen, den Prozess aktiv zu begleiten und mit den Studierenden ins Gespräch zu kommen. 

 

Kontaktmöglichkeit:

Maikirschen e.K.
Lichtstraße 3 
04758 Oschatz

Telefon: 03435 / 62 930 36
Fax: 03435 / 62 930 37
Mail: info@maikirschen.de