Mehr Engagement statt Stillstand für B87 gefordert

IHK zu Leipzig und IHK Cottbus fordern in Torgau einen zügigen Ausbau der Bundesstraße
Die Bundestraße 87 von Leipzig über Torgau und Herzberg, Lübben bis nach Frankfurt/Oder ist ein infrastrukturelles Nadelöhr und eine der wichtigsten Verbindungsachsen zwischen der Strukturwandelregion Lausitz und Leipzig. Die Bundesstraße ist bisher nicht im Bundesverkehrswegeplan 2030 mit der notwendigen Priorität berücksichtigt, was nach Ansicht der Industrie- und Handelskammer zu Leipzig und der IHK Cottbus die Entwicklung an der Landesgrenze zwischen Sachsen und Brandenburg stark ausbremst.
Beide IHKs forderten beim Straßeninfrastrukturdialog am 10. November 2025 im sächsischen Torgau ein klares Bekenntnis für eine stärkere länderübergreifende Zusammenarbeit zum Ausbau der Bundestraße. 50 Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik diskutierten über den Status Quo auf der wichtigen Ost-West-Achse und zeigten auf, wo dringend Handlungsbedarf besteht.
Kristian Kirpal, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig: „Die B 87 ist für die wirtschaftliche Entwicklung zwischen Leipzig und der Lausitz unverzichtbar. Seit über 20 Jahren warten wir auf Fortschritte beim Ausbau – das ist nicht hinnehmbar. Diese West-Ost-Achse ist eine elementar notwendige Verbindungsachse für die wirtschaftliche Entwicklung der Regionen in Nordsachsen und Elbe-Elster bis nach Cottbus. Auch die Bedeutung als Transportroute im Sinne der Verteidigungsfähigkeit sollte in den Blickpunkt rücken. Anstatt die Sonderschulden für eine infrastrukturelle Entwicklung zu verwenden, die einen volkswirtschaftlichen Mehrwert bieten, werden diese Gelder nicht zielgerichtet eingesetzt. Der Herbst der Reformen droht zu einem Winter der Enttäuschung zu werden.“
Gerd Rothaug, Vize-Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus: „Der Ausbau der B 87 hat eine länderübergreifende Bedeutung. Durch den fehlenden Streckenausbau leidet die Standortattraktivität der Landkreise Nordsachsen und Elbe-Elster. Unternehmen meiden Investitionen entlang der Strecke und die schlechte Erreichbarkeit schreckt Fachkräfte ab. In Berlin muss stärker wahrgenommen werden, dass die wirtschaftliche Entwicklung der Region stark ausgebremst wird durch die fehlende Priorisierung und Umsetzung wichtiger Zukunftsprojekte. Besonders die Engstellen in Torgau und Taucha führen regelmäßig zu Verkehrsbehinderungen, verlängerten Fahrzeiten und erhöhen das Unfallrisiko. Eine zusätzliche Elbbrücke würde nicht nur die Strecke deutlich entlasten, sondern auch die Verkehrssicherheit auf der wichtigen Ost-West-Achse nachhaltig verbessern. Die B87 sollte wieder stärker auf die politische Agenda von Brandenburg und Sachsen und zur Chefsache gemacht werden.“ Er erinnerte an die Torgauer Erklärung vom 9. November 2017, die nun noch einmal von allen Beteiligten erneuert werden sollte als Torgauer Erklärung 2.0.
Auch Torgaus Oberbürgermeister Henrik Simon betonte im Rahmen der Veranstaltung noch einmal die Bedeutung des Projektes B87n, verwies darauf, dass die Bundesstraße die wichtigste Verkehrsader für die Stadt ist, sowohl als Verbindung nach Leipzig als auch in Richtung Frankfurt/Oder. Zum einen sein eine gute Verkehrsanbindung wichtig für die weitere Entwicklung Torgaus in wirtschaftlicher Hinsicht. Zum anderen würde die Umsetzung des Projektes B87n inklusive einer Ortsumfahrung für Torgau, die Stadt auch verkehrstechnisch entlasten und mehr Lebensqualität für ihre Bürger schaffen.
Neben Vertretern der beiden entscheidenden Verkehrsministerien aus Sachsen und Brandenburg kamen auch zwei Unternehmensvertreter aus Torgau zu Wort. Beide waren sich einige - wie mit dem Großteil der Anwesenden am Montagabend - das Thema muss am kochen gehalten werden. Und wenn schon aktuell das “große Ganze” nicht umzusetzen ist, dann sollten zumindest kleine Schritte - wie die Ortsumgehungen für Mockrehna und Doberschütz zum Beispiel - realisiert werden. CDU-Stadtrat und Logistikunternehmer (Kraftverkehr Torgau) Konrad Theobald sprachen von den vielen LKW, die täglich nach Torgau kommen und Torgau auch wieder verlassen, er brachte wichtige Unternehmen wie Mercer, Saint Gobain, Torgau Kuvert und sein eigenes Unternehmen ins Spiel, sprach vom zahlreichen Ausweichverkehr, der durch Torgau rollt, weil die A2 eine Staufalle ist und die A4 nicht zu einer vierspurigen Autobahn ausgebaut wird.
Gefordert werden von den Verfechtern des Projektes B 87n eine sofortige Planungsbeschleunigung bei den Ortsumfahrungen Torgau, Mockrehna, Doberschütz und Taucha sowie ein verbindlicher Zeitplan für den weiteren dreispurigen Ausbau von Streckenabschnitten zur bessern verkehrlichen Anbindung der regionalen Wirtschaft.
Zahlen und Fakten
Die B87 ist das Rückgrat für Industrie, Handwerk, Landwirtschaft, Tourismus und Logistik. Über 20.000 Beschäftigte und 2.000 Betriebe sind direkt auf die B87 angewiesen. Bis zu 15.000 Fahrzeuge pro Tag befahren sie. Ein Viertel der Fahrzeuge sind Lastkraftwagen. Entsprechend stark ist die Bundesstraße ausgelastet. Der Verkehr wächst jährlich um etwa zwei Prozent. Starker Durchgangsverkehr, Lärm und Abgase belasten Anwohner, Betriebe und touristische Zentren. Staus, Engstellen und häufige Unfälle durch riskante Überholvorgänge infolge vorausfahrender LKW bilden Hindernisse.

